Kapitulation ist alles und wir alle müssen kapitulieren. Wir werden viele sein, jeder einzelne von uns.
Video (04:50)
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Greifswald Galore
Kapitulation ist alles und wir alle müssen kapitulieren. Wir werden viele sein, jeder einzelne von uns.
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Ein Gastbeitrag von Hubertus Ass
Eigentlich sollte meine erster Gastbeitrag auf dem Fleischervorstadtblog — und damit der Start der Reihe (H.)Ass ist Trumpf — gesellschaftliche Missstände, wie soziale Ungerechtigkeit, die Dominanz ökonomischer Interessen im Allgemeinen oder die Leistungsgesellschaft und ihre Verwertungslogik im Speziellen, anprangern. Doch dann kam ein Sonderling namens Holm und nun ist plötzlich alles ganz anders. Ich, undogmatischer Linker, fühle mich richtiggehend zu Lobeshymnen provoziert, obwohl mir dieses eher fremd sein sollte. Aber am besten ist, ich erzähl erst mal, wie das alles kam.
Es ist Sonntagabend kurz vor neun und ich bin — ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet — im rappelvollen Café Koeppen, um dem Publikum der Veranstaltung Sonderholm#4 die Getränke zu kredenzen. Das Licht wird gedimmt und irgendwie komm ich mir von Anfang an ein wenig verhohnepipelt vor. Denn das Programm beginnt mit White-Trash-Literatur von genau jenem Untergrundpoeten, mit dem ich mir keine sechs Stunden zuvor die restalkoholgeschwängerten Morgenstunden versüßt habe.
Direkt im Anschluss zückt Sonderholm die Gitarre und will angeblich seinen Frieden mit mir machen, indem er ein Lied aus der trotzigen Phase meiner Lieblingsband spielt. Dadurch wird das Gefühl des Verhohnepipeltwerdens jedoch ins Unermessliche potenziert und der kleine Egozentriker in mir sucht schon die versteckte Kamera. Als der Alleinunterhalter beginnt, den Todeswunsch des Monats vorzulesen, packt mich Panik. Aber dann beruhige ich mich ein wenig, denn er gilt glücklicherweise nicht mir.

Doch Sonderholm kennt keine Gnade und nährt meine Ungewissheit, indem er nun einen Geschichtenerzähler aus meiner Heimat ins Felde führt, dessen Bücher ich regelmäßig von meinen Eltern zum Geburtstag geschenkt bekomme. Soviel Übereinstimmung mit meinen kulturellen Präferenzen kann kein Zufall sein, denke ich und mich beschleicht wieder ein fieses Unbehagen. Dieses Gefühl wird zur ausgewachsenen paranoiden Wahnvorstellung, als mir schlagartig einfällt, dass ich keine 14 Tage vorher Geburtstag hatte und mich diesmal weder bei Erzeugern noch im Freundeskreis hatte blicken lassen. Sollte ich etwa Opfer einer perfiden Überraschung durch Familie, Freunde und Kollegen werden?
Vor lauter Panik vergesse ich zuzuhören, ziehe mich in mein Innerstes zurück und fange an, die Wahrscheinlichkeit des erlebten dreifachen kulturellen Volltreffers zu berechnen. Als ich damit fertig bin, läuft schon die nächsten Nummer — Glück gehabt. „Sonderholm #4 – Scheitern als Chance“ weiterlesen
Im Café Pariser findet heute Abend eine Lesung statt, in der es um Italien geht, genauer gesagt, um das Reiseland Italien.
Gelesen wird aus Reiseberichten in das südeuropäische Land, die einerseits von Mark Twain und andererseits vom bayrischen Schriftsteller Ludwig Thoma stammen.
Dabei werden die Erlebnisse der Thomaschen Familie Käsebier aus Berlin den Eindrücken Mark Twains gegenübergestellt, zusammengesucht und vorgetragen von A.S. Die Ankündigung verpricht boshafte Zeilen über ein Land und seine Bewohner.
„Warum seid Ihr nicht bei uns, um all dies Schöne mit zu genießen?“
Fakten: 25.04. | 20 Uhr | Café Pariser | frei
Der Regionalsender Greifswald TV widmet sich in einem seiner neusten Beiträge dem hier zuletzt häufiger erwähnten Kunstzusammenschluss Polly Faber. Neben einigen aktuellen Interviews, unter anderem mit Schatzmeister Bernsdorf und dem Bilderhauer Edvardas Racevius, wurde für das Portrait auch Material aus dem Archiv gekramt. Sehenswert.
Video (6:29)
[youtube 6FjJUA9F-2c]
Das kunstschaffende Duo Katja Anke und Enrico Pense wird heute Abend im art-cube die Ausstellung EIN BUNT WEIß eröffnen. Um den musikalischen Rahmen der Festveranstaltung wird sich der lustige Landwirt Helmut Strickfaden mit einer wohlselektierten Auswahl an Lärm- und Loungemusik kümmern.
Nach der Vernissage ist die Ausstellung vom 17. bis zum 31. März geöffnet, und zwar donnerstags und freitags von 17-19 Uhr und sonnabends von 11-13 Uhr. Die Finissage wird am 30. März stattfinden.
Fakten: 16.03. | 19 Uhr | art-cube (Lange Str. 20)
Morgen Abend wird im Foyer der Mensa die Foto-Ausstellung AUGEN zeugen eröffnet, die den Blick auf die südlichen Grenzen Europas richtet und die Situation schiffbrüchiger Flüchtlinge thematisiert.
Im Mittelpunkt steht dabei die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa, die nur 130 km vor Tunesien liegt. Dorthin gelangten allein im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Flüchtlinge, die zum größten Teil aus Libyen oder Tunesien stammen.
Auf Lampedusa mussten sie über Monate unter menschenunwürdigen Bedingungen leben, weil die italienische Regierung Abschreckungspolitik und humanitäre Verantwortung gegeneinander abwog, ehe sie die Flüchtlinge in einer Eilaktion von der Insel brachte und vor allem viele Tunesier kurz darauf abschob und zurück in das Land, aus dem sie gerade geflohen waren, zurückflog.

Gezeigt werden in der Ausstellung unter anderem Aufnahmen von Wracks der Boote, mit denen die Flüchtlinge nach Lampedusa kamen und die dort auf einem Schiffsfriedhof versammelt sind.
Hier stapeln sich jene Boote, mit denen Menschen über das Meer nach Europa zu fliehen versuchten. Vielfach tragen sie Augen am Bug – ein Schutzsymbol, das seit der Antike auf dem Mittelmeer verwendet wird. Die Schiffswracks sind stumme Zeugen der Schicksale von Menschen, welche die gefährliche Reise nach Europa auf sich nehmen.
Zur Eröffnung stellen Aktivistinnen der Initiative Boats4people sich und ihre Kampagne vor und geben eine Einführung in die gegenwärtige Situation an der Südgrenze Europas. Danach findet um 21 Uhr ein Spaziergang von der Mensa zur Lovis statt, wo dann schließlich noch die Augen eingeweiht werden, die zukünftig den Bug des Schiffes zieren und an die Flüchtlinge erinnern werden.
Hier noch ein etwas älterer, aber trotzdem sehenswerter Beitrag von 3Sat Kulturzeit über die Flüchtlinge auf Lampedusa.
Video (08:15)
[youtube HcQAlqTB_jE]
Die Ausstellung verbleibt bis zum 23. März im Foyer der Mensa am Schießwall.
Fakten: 16.03. | 19 Uhr | Foyer der Mensa